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Ich muss es sagen und bin wirklich traurig darüber, Traurigkeit wird pathologisiert. Wir erwarten ein Leben voll Glückseligkeit und versuchen verzweifelt, jeglichem Unheil auszuweichen wie einer Unfallstelle auf der Autobahn. Fahren wir dann aber doch mal mit 180 unserem Vordermann auf, wird schnell klar, dass es daran gelegen haben muss, dass wir nicht bei der Sache, geistig eingeschränkt oder sonstig umnachtet waren. Wir lassen unsere Verletzungen nicht heilen, wir streuen fleißig Salz hinein ; denn einmal Blut geleckt zu haben, bedeutet, sich über das Aufgenommene zu definieren. Wir lieben den metallischen Geschmack, wir lieben es, uns entweder von dem leidigen Maschinendasein befreit oder es gerade erst angetreten zu haben. Fragen wir ein Kind, wenn es stolpert und sich die Knie aufschlägt auch nach seinem Geisteszustand ? Weshalb um alles in der Welt können wir dann später nicht akzeptieren, dass wir fallen ? Das Fallen wird zum Symbol der Ausgestoßenen. Die gefallenen Engel scharen sich vor der Hölle, bis sie resigniert bemerken, das sie sich bereits darin befinden. Eine Welt, in der Krieg, Armut und Egoismus kann nur dafür geschaffen sein, auf und in ihr zu leiden, bis sich das Leid als Wesenszug herausbildet. Wenn wir nicht leiden, wie sonst sollten wir unserem Unmut Ausdruck verleihen ? Wir sind zu schwach, um laut zu sprechen, zu schüchtern, um unserer Meinung Ausdruck zu verleihen und zu fatalistisch, um an Veränderung zu glauben. Wir glauben einfach, dass irgendwann die Welt untergeht. Wir glauben, dass die Klimaveränderung ihr Übriges tut. Und wir glauben, dass wir, die wir das Leid erkennen, privilegierter sind als „ die anderen mit den rosa Brillen. “ Wer hat jemals behauptet, dass man durch schwarze Brillen besser sähe ? Wir propagieren liebevoll unsere ganze Art als widerlich, durch die Bank egoistisch und absolut verabscheuungswürdig. Es ist mir bekannt, dass es sich besser über Dinge mosern lässt, denen man sich nicht zugehörig fühlt, andererseits vermisse ich in beliebtem Leitsatz „ Menschen sind böse.“ die automatisch aus dieser Feststellung resultierende Selbstkritik. Praktisch die Konklusion aus „Ich bin Mensch.“ , „Menschen sind böse.“ - ergo „Ich bin böse“ ? Soweit reicht die Selbsterkenntnis nicht. Sie reicht bis zu der unbedingten Überzeugung, anders zu sein und dem Ausdruck verleihen zu wollen ( merke, dafür reicht das Selbstbewusstsein immer aus ), indem die Andersartigkeit wie eine Tsunamiwelle das Land überspült. Viele kommen zu Tode. Es tut gut, von der Andersartigkeit begraben zu werden, zumeist kommen “Menschen“ unter natürlicheren Umständen um's Leben. Da wir aber festgestellt und verinnerlicht haben, dass wir uns außerhalb jedweden Dunstkreises der Menschheit bewegen, praktisch in einem Paralleluniversum, dessen Abgeschiedenheit wir liebend gern nutzen, um unsere abgeschlagene Position zu untermauern, nehmen wir freilich auch das Dahinscheiden in Kauf, wenn es uns zu Helden macht. Helden im Kampf gegen die Gleichschaltung der Menschheit. Ein Kampf im Sinne unserer Feinde. Gleich doppelt heroisch, man sollte uns einen Orden verleihen. Einen Orden, den wir vor lauter Rührung und avantgardistisch bedingter Selbsthassneigung freilich nur unter Einfluss von Drogen tragen können. So hat uns das Glück wieder einmal unglücklich gemacht. Wer mit ganzem Herzen glücklich ist, verkennt sein Unglück, ist ergo ein Brillenträger der rosafarbenen Art, wird in seiner Blindheit selbstverständlich dem weitsichtigen Philosophen unterlegen sein und zwangsläufig in einer Katastrophe sterben, die der Herr Schwarzzeichner bereits vorrausgesehen hat. Was folgt, ist die Erkenntnis, dass Glück doch letztendlich ebenso einsam macht wie Unglück. Zweiteres ist Privileg, ersteres eine Selbstverständlichkeit auf der Suche nach dem Sinn des Daseins.
18.2.08 17:44
 


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